Afghanistan 2003 - Zerbombt und Verraten
Die
Hoffnung
Nach
dem Sturz des schrecklichen Talibanregimes fingen die Menschen
in Afghanistan wieder an, von Frieden, Sicherheit und einer
besseren Zukunft zu träumen. Mit der Hoffnung auf einen
neuen Anfang kehrten aus den
Nachbarländern hunderttausende Afghanen nach jahrelanger
Flucht zu ihren zerstörten und verminten Häusern zurück.
In Beziehung zu Afghanistan machten in den Medien vielversprechende
Ausdrücke wie "Nationbildung", "Entwaffnung",
"Wiederaufbau", "Demokratisierung", "Frauenrechte"...
usw. die Runde. Die Mission "Enduring Freedom" nahm
angeblich (!) mit der Befreiung der afghanischen Frauen, die
durch die Taliban entrechtet worden waren, ihren Anfang. Als
in Dezember 2001 die erste Afghanistan-Konferenz in Petersberg
bei Bonn statt fand, wurde dies von den Veranstaltern als eine
neue und friedliche Ära nach dem über 20 Jahre währenden
Afghanistankonflikt gepriesen.
Die Macht in den Händen der Warlords
Wenn
man aber heute die Lage in Afghanistan betrachtet, stellt man
fest, dass diejenigen, die den Veranstaltern der Petersberger
Konferenz die Ethnisierung des Afghanistan-Konflikts vorwarfen,
nicht Unrecht hatten. Die jetzige Regierungselite Afghanistans
besteht größtenteils aus Faschisten, Warlords und
antidemokratischen Kräften, die
dutzendtausende Zivilistenleben auf dem Gewissen haben. Unter
den Männern, die heute an der Regierung beteiligt sind,
sind hauptsächlich diejenigen, die 1991-92 die Hauptstadt
Kabul in Machtkämpfen dem Boden gleich machten. Für
ihre Greultaten und Menschenrechtsverletzungen bekannte Warlords
sind die heutige Verbündeten der USA und werden dementsprechend
auch durch Amerikaner finanziert. Die Bevölkerung ist zwar
die schrecklichen Taliban los, aber nun ist sie die Geisel der
Warlords. In den letzten 16 Monaten haben die Warlords alle
Rekorde in
Sachen Menschenrechtsverletzungen gesprengt. Die Palette der
Menschenrechtsverletzungen reicht vom Massenmord an tausenden
Gefangenen bis zu ethnischen Säuberungen.
Die Menschen in Afghanistan haben all ihr Hoffnungen und Erwartungen
ganz verloren, die sie in die neue Regierung und Internationale
Gemeinschaft gesteckt hatten. Alle Versprechungen, die den Afghanen
seitens der Internationalen Gemeinschaft und Besatzer USA gemacht
worden waren, sind nicht eingelöst worden. Die Zentralregierung
ist sehr schwach, dafür sind die Warlords stärker
und reicher als je zuvor. Es hat sich herausgestellt, dass der
Regierungschef Karzai keine Macht und keinen Einfluß in
der Regierung hat. Aus einem Fernsehinterview kann man seine
Verzweiflung entnehmen, indem er sagte: "Gott möge
keinem Präsidenten so viele Enttäuschungen bescheren,
wie mir".
Keine Entwaffnung - keine Sicherheit
Sicherheit
ist ein Fremdwort in Afghanistan. Wie kann sich die Bevölkerung
in einem Land sicher fühlen, dessen Präsident von
eigenen Regierungsmitgliedern bedroht ist und durch ausländische
Spezialkräfte beschützt werden muss?
Die versprochene Entwaffnung hat nicht statt gefunden! Statt
dessen werden die Warlords mit Gelder und noch mehr Waffen seitens
USA und Russland unterstützt. In der Hauptstadt Kabul wird
die Sicherheit durch ISAF-Truppen mehr oder weniger gesichert.
In den Provinzen haben aber die Warlords freie Hand und unterdrücken
die
Bevölkerung auf schlimmste Weise. Es gibt immer noch private
Gefängnisse in Provinzen, wo Tausende von unschuldigen
Menschen unter unmenschlichen Bedingungen gefangen gehalten
werden.
In solch einer "Sicherheitslage", in der die Sicherheit
nur den Präsidenten und Warlords vorbehalten ist, können
keine Frauen- bzw. Menschenrechte geschweige denn Demokratisierungsprozesse
Fuß fassen.
Resumee
In
Afghanistan herrscht seit ca. 23 Jahren Krieg und niemand erwartet,
dass in einem Jahr alles wieder aufgebaut werden soll oder kann.
Aber es ist legitim, zu behaupten, dass man in den letzten 16
Monaten die alten Fehler wiederholt hat und im Sinne der Menschenrechte
und Demokratisierung alles falsch gemacht hat. Wenn weiterhin
diese Fehler wiederholt werden, dann wird das Afghanistan- Problem
zu einem Nichtlösbarkeits- Problem. Solange in Afghanistan
die Warlords die Macht und die Waffen haben, wird es nicht nur
in Afghanistan, sondern in der ganzen Region Destabilisation
und Unruhen geben. Die Ereignisse der letzten Jahre haben bewiesen,
dass die ernsthafte Lösung des Afghanistankonflikts nicht
nur für die Stabilität der Region, sondern auch für
den Weltfrieden unverzichtbar ist.
Der
seit dem Oktober 2001 andauernde Afghanistankrieg hat gezeigt,
dass es unmöglich ist, durch Krieg Frieden und Demokratie
herbeizuzaubern.
Bericht
von: Ahmad Wali Achakzai. Der Student ist 22 Jahre alt und seit
8 Jahren in Deutschland. Er hält engen Kontakt zu seiner
Familie in Afghanistan. Jeweils im Februar der Jahre 2002 und
2003 war er für mehre Wochen in Afghanistan und Pakistan.